Künstliche Intelligenz ist in vielen deutschen Unternehmen angekommen. Der Einsatz wächst schnell, doch die praktische Umsetzung bleibt oft hinter den Erwartungen zurück. Besonders bei internen Abläufen, Datenarbeit und Fachprozessen zeigt sich ein großes ungenutztes Potenzial.
KI kommt in den Unternehmen an
57 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten setzen bereits auf KI. Vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 36 Prozent, 2024 bei 20 Prozent. Weitere 38 Prozent planen den Einsatz oder sprechen darüber. Nur 4 Prozent sehen das Thema für sich als abgeschlossen.
Diese Entwicklung zeigt eine klare Richtung. KI ist kein Randthema mehr, sondern Teil des Arbeitsalltags in vielen Betrieben. Die Zahlen zeigen aber auch, dass der Einstieg oft erst der erste Schritt ist.
Das Potenzial bleibt oft ungenutzt
59 Prozent der Unternehmen mit KI-Einsatz sagen, dass sie die Möglichkeiten der Technik bisher kaum ausschöpfen. Nur 3 Prozent sehen eine starke Ausschöpfung. Kein Unternehmen spricht von einer vollständigen Ausschöpfung.
Der Abstand zwischen Einsatz und Wirkung ist damit groß. Viele Firmen testen erste Anwendungen, doch sie binden die Systeme noch nicht tief genug in ihre Abläufe ein. Genau hier liegt für viele Betriebe der größte Hebel.
Vom Kundenkontakt in die Fachabteilungen
Am häufigsten setzen Unternehmen KI im Kundenkontakt ein. 72 Prozent der Anwender nutzen sie dort, meist für Anfragen oder Serviceaufgaben. 54 Prozent setzen KI in Marketing und Kommunikation ein.
Deutlich stärker wächst der Einsatz in den Fachbereichen. 25 Prozent arbeiten damit im Controlling und Rechnungswesen. 22 Prozent setzen KI im internen Wissensmanagement ein. Ebenfalls 22 Prozent berichten von Einsätzen in der Produktion. 20 Prozent binden KI in eigene Produkte oder Dienstleistungen ein. Im Vertrieb liegt der Anteil bei 14 Prozent, in IT-Abteilungen bei 9 Prozent. In Forschung und Entwicklung arbeitet bereits jedes sechste Unternehmen mit KI.
KI-Agenten gewinnen an Gewicht
Immer mehr Unternehmen schauen auf KI-Agenten. Diese Systeme gehen über klassische Chatbots hinaus. Sie erledigen mehrstufige Aufgaben eigenständig, etwa Angebote einholen, Preise vergleichen oder erste Handlungsoptionen vorbereiten.
11 Prozent der Unternehmen mit KI-Nutzung setzen solche Systeme bereits ein. 29 Prozent planen sie, 31 Prozent sprechen darüber. Für knapp ein Viertel ist das Thema noch kein Punkt auf der Agenda. Der Trend zeigt klar, dass Unternehmen nach mehr Automatisierung und weniger Handarbeit suchen.
Wettbewerbsvorteile ja, Kosten bleiben hoch
Zwei Drittel der KI-Anwender sehen ihre Wettbewerbsposition gestärkt. 48 Prozent berichten von schnelleren internen Prozessen. 45 Prozent sehen einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg. 40 Prozent sprechen von besserer Qualität ihrer Produkte oder Dienstleistungen. 36 Prozent haben nach eigenen Angaben neue Angebote entwickelt.
Die größten Kosten entstehen nicht bei der Lizenz allein. 51 Prozent nennen Cloud-Dienste und Rechenleistung als starken Kostenfaktor. Fast ebenso viele sehen die Datenaufbereitung als teuer an. 41 Prozent berichten von hohen Aufwänden bei der Einbindung in bestehende Systeme. Lizenzen für KI-Software nennen nur 21 Prozent als großen Kostenblock.
45 Prozent aller befragten Unternehmen wollen 2026 mehr Geld für KI ausgeben als im Vorjahr. Die Hälfte plant mit gleichbleibenden Budgets. Nur 3 Prozent wollen weniger investieren.
Fachwissen, Datenschutz und Recht als Hürden
Unternehmen ohne KI-Einsatz nennen vor allem fehlendes Fachwissen. 85 Prozent sehen Lücken beim technischen Know-how. Zwei Drittel berichten von rechtlicher Unsicherheit. 63 Prozent sprechen von schwer kalkulierbaren Kosten. Mehr als die Hälfte nennt fehlende personelle Ressourcen.
Bei Firmen mit KI-Einsatz verschieben sich die Probleme. 66 Prozent nennen Datenschutzanforderungen. 56 Prozent sehen rechtliche Unsicherheit als Hemmnis. 54 Prozent klagen über schwer planbare Kosten. 45 Prozent fürchten, dass Unternehmensdaten in falsche Hände geraten. Die Qualität der Ergebnisse bremst 26 Prozent, die Nachvollziehbarkeit 25 Prozent.
Schulungen nehmen zu, Wissen bleibt knapp
70 Prozent aller Unternehmen schulen ihre Beschäftigten zumindest teilweise im Umgang mit KI. Unter den Anwendern liegt der Anteil bei 91 Prozent. Das ist ein klares Zeichen für steigenden Handlungsdruck im Alltag.
Trotzdem bewerten zwei Drittel der Unternehmen die KI-Kompetenzen der Belegschaft als gering. Hier zeigt sich ein typisches Bild vieler Transformationsprojekte: Die Technik ist da, aber das Wissen im Alltag wächst langsamer als der Einsatz.
Chancen groß, Unsicherheit bleibt
91 Prozent der Unternehmen sehen KI als wichtigste Zukunftstechnologie. 80 Prozent betrachten sie vor allem als Chance. 18 Prozent sehen eher ein Risiko. 61 Prozent sagen, Firmen ohne KI-Nutzung hätten keine Zukunft. Gleichzeitig sorgen sich 34 Prozent, dass KI die Existenz des eigenen Unternehmens gefährden könnte.
Auch beim AI Act wächst die Unsicherheit. 37 Prozent gehen davon aus, als Anwender betroffen zu sein. 34 Prozent prüfen dies noch. Von den Unternehmen, die eine Betroffenheit annehmen oder prüfen, rechnen 89 Prozent mit hohem Umsetzungsaufwand. Zwei Drittel sehen in der Regelung mehr Nachteile als Vorteile für deutsche Unternehmen.
Beschäftigung bleibt ein offener Punkt
Die Erwartungen an den Arbeitsmarkt fallen gemischt aus. 57 Prozent rechnen in den nächsten zwei Jahren mit weniger Beschäftigten durch KI. 12 Prozent erwarten sogar einen deutlichen Rückgang. 14 Prozent sehen einen leichten Anstieg. 29 Prozent machten keine Angabe.
Unternehmen mit praktischer KI-Erfahrung blicken etwas anders auf die Entwicklung. Sie rechnen seltener mit starkem Stellenabbau und häufiger mit zusätzlicher Beschäftigung. Das zeigt: Wer KI im Alltag einsetzt, sieht die Folgen oft differenzierter als Firmen ohne Praxis.
Für Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten bleibt damit eine klare Aufgabe. Wer KI nur testet, schöpft ihr Potenzial selten aus. Wer Daten, Systeme und Menschen sauber zusammenbringt, schafft mehr Wirkung im Tagesgeschäft.