Microsoft stellt mit Project Solara eine neue Gerätekategorie vor, die den Umgang mit Unternehmenssoftware spürbar verändern soll. Im Zentrum stehen nicht klassische Apps, sondern Agenten, die Aufgaben direkt begleiten und steuern.
Agenten statt App-Start
Project Solara setzt auf eine klare Trennung zwischen Gerät und Intelligenz. Die Endgeräte führen keine Modelle lokal aus. Sie dienen als schlanke Zugänge zu einer cloudbasierten Agenten-Infrastruktur auf Azure.
Für den Alltag heißt das: Die Hardware bleibt schlank, die Rechenarbeit liegt in der Cloud. Das Gerät zeigt nur die passende Oberfläche zur passenden Zeit. Microsoft spricht hier von einer Just-in-Time UI.
Die technische Basis hinter Project Solara
Microsoft baut die neue Plattform auf der Microsoft Device Ecosystem Platform auf. Diese basiert nicht auf Windows, sondern auf Android Open Source Project. Für stromsparende Geräte ist dieser Weg pragmatisch, vor allem bei mobilen Formfaktoren.
Die Verwaltung läuft über Microsoft Intune. Die Anmeldung erfolgt über Entra ID und Hello for Business. Geplant sind biometrische Verfahren wie Fingerabdruck und Gesichtserkennung. Ein physischer Mute-Schalter für das Mikrofon gehört ebenfalls zum Konzept.
Zwei Geräte, zwei Einsatzzwecke
Microsoft zeigt zwei Referenzdesigns. Das erste ist ein tragbares Badge-Gerät auf Qualcomm-Basis. Es orientiert sich an typischen Zugangskarten und soll im Arbeitsalltag ständig mitgeführt werden. Vorgesehen sind Touchscreen, Fingerabdrucksensor, Kamera, Mikrofon-Array, Lautsprecher sowie 5G, WLAN, Bluetooth und GNSS.
Das zweite Gerät ist für den Schreibtisch gedacht und basiert auf einem MediaTek-Chip. Es erinnert an einen kompakten Desktop-Begleiter mit Touchscreen, Gesichtserkennung, UWB-Sensor, zwei Mikrofonen und zwei USB-C-Anschlüssen. Über USB-C und einen externen Monitor kann es als Windows-365-Client dienen. Per Bluetooth lässt es sich mit einem Windows-PC koppeln.
Multi-Agenten statt Einzellösung
Project Solara soll kein geschlossenes System sein. Unternehmen können eigene Agenten einbinden, etwa über Copilot Studio, das Microsoft 365 Agents SDK oder den Azure Agent Framework. Microsoft will keinen Lock-in bei einem einzelnen Agenten.
Das ist für Firmen ein klarer Vorteil. Sie behalten ihre eigenen Abläufe und können verschiedene Agenten für unterschiedliche Aufgaben einsetzen. Das passt besonders gut zu Umgebungen mit festen Prozessen und klaren Rollen.
Der Praxisfall Klinik
Ein wichtiger Anwendungsbereich liegt im Gesundheitswesen. Dort tragen Beschäftigte schon heute Ausweise für Zugang und Freigaben. Project Solara erweitert diese Karten um eine aktive Agenten-Schicht.
Mit Einwilligung des Patienten kann das Gerät Gespräche aufzeichnen, transkribieren und automatisch strukturieren. Ein Agent legt die Daten danach in der Patientenakte ab. Microsoft nennt hierfür Dragon Copilot als geplante Option. Für Kliniken ist das interessant, da Daten zentral gespeichert und geprüft werden können.
Warum die Cloud hier eine Rolle spielt
Die Cloud ist bei diesem Konzept kein Umweg, sondern Teil der Architektur. Sprachmodelle für Klinik oder Büro sind für kleine Geräte oft zu groß. Dazu kommen Anforderungen an zentrale Speicherung, Protokollierung und Updates.
Über die Cloud lassen sich Modelle und Funktionen zentral anpassen. Unternehmen müssen dann nicht tausende Geräte einzeln pflegen. Das spart Zeit im Betrieb und reduziert Aufwand für IT-Teams.
Erste Tests und Ausblick
Innerhalb von Microsoft laufen bereits interne Tests mit den Prototypen. In den kommenden Monaten soll ein externes Pilotprogramm mit Partnern starten. Dazu zählen unter anderem Unternehmen aus Handel, Gesundheitswesen und weiteren Branchen.
Die Idee ist klar: Aus einer experimentellen Plattform soll eine neue Klasse von Arbeitsgeräten entstehen. Ob das im Alltag trägt, zeigen die Pilotprojekte. Vor allem die Frage nach stabilen, verlässlichen Agenten bleibt offen.
Project Solara zeigt, wohin sich Unternehmenshardware entwickeln kann. Microsoft setzt auf schmale Geräte, klare Rollen und Agenten als zentrale Bedienebene. Für Firmen mit festen Workflows kann das ein spannender Weg sein.